Deutsch-indische Freundschaft: Sportjugend und der YMCA Neu-Delhi

Der dritte Besuch einer deutschen Jugenddelegation in Indien neigt sich dem Ende zu und wenn ich gefragt werden würde, was mir zu Indien zuerst in den Sinn kommt, würde ich die Herzlichkeit und Gastfreundschaft, mit der wir hier empfangen wurden, nennen. Zwar kannte sich ein Großteil der Gruppe durch den Besuch der indischen Jugendlichen in Deutschland, aber auch die „Neuen“ unter uns wurden sehr herzlich begrüßt. An allen Orten wurden wir stets mit offenen Armen empfangen. Bei all unseren Aktivitäten wurden wir von unseren indischen Freunden begleitet und bei jeder Frage standen sie uns zur Seite und taten alles, um uns einen tollen Aufenthalt in Indien zu ermöglichen. Das gilt insbesondere auch für den YMCA Neu-Delhi, der diese Begegnung von indischer Seite organisiert und betreut. Stets sind sowohl hauptamtliche Mitarbeiter als auch Vorstandsmitglieder mit uns unterwegs, damit wir sie und ihr Land besser kennenlernen. Jederzeit sind sie für uns da und versuchen, unsere Wünsche zu erfüllen. Heute Abend sind wir mit der ganzen Gruppe bei Monica, der Leitung von indischer Seite, eingeladen. Durch diesen herzlichen Empfang und Art und Weise, wie sich unsere indischen Freunde um uns kümmern, fühlen wir alle uns hier sehr wohl. Für unseren letzten Abend morgen wird ein Abendessen mit allen Gastfamilien hier im Hostel organisiert, wo jede Familie etwas zum indischen Buffet beisteuert. Danach werden wir sicherlich noch bis spät in die Nacht gemeinsam feiern🙂.

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Auf Indiens Straßen…

Die Liste der indischen Teilnehmer am Straßenverkehr ist lang – und wird immer länger, je weiter man die Städte hinter sich lässt: Neben Bussen, Lastwagen, Autos, Tuk-Tuks, Rikschas, Mopeds Fahrradfahrern und Fußgängern gehören vor allem auch Traktoren und sämtliche Lastkarren sowie zahlreiche Tiere wie Kühe, Ziegen, Pferde, Hunde, Elefanten und Affen dazu. Um auf sich und sein Gefährt aufmerksam zu machen, wird einfach gehupt und die stärkeren Verkehrsteilnehmer neben dabei sehr viel Rücksicht auf die schwächeren, so dass die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit insgesamt vergleichsweise zu Deutschland sehr langsam ist. Der Verkehr in Delhi ist noch relativ sortiert und entspannt im Gegensatz zu dem, was man auf den Straßen außerhalb der Großstadt erlebt. Die „Schnellstraßen“ führen mitten durch Städte und Dörfer, in denen die Straßen oftmals verstopft sind. Nach der Regenzeit haben sich vor allem in den unbefestigten Straßen riesige Schlaglöcher oder Gräben gebildet, die ein schnelles Vorankommen unmöglich machen. Baustellen werden weder großartig ausgeschildert, noch gibt es Absperrungen: Der Verkehr wird einfach auf die Gegenfahrbahn umgeleitet, auf der man sich dann die vorhandene Straße nach der einfachen Regel – Wenn ein Fahrzeug entgegenkommt, halte ich mich links – teilt. Unabhängig davon kann es jedoch auch passieren, dass auf der normalen „Schnellstraße“ einem Fahrzeuge entgegenkommen, da man aufgrund eines Mittelstreifens nicht überall die Straße kreuzen kann. Abfahrten gibt es nicht wirklich, so dass man ggf. einfach ein Stück zurück fährt, wenn man nicht auf die nächste Kreuzung warten will. Auch Rückwärtsfahren, wenn man eine Abzweigung verpasst hat, stellt kein großes Problem dar. Einfach den Rückwärtsgang einlegen, hupen und los geht’s… An jeder Ecke wird gebaut oder gewerkelt. In Delhi wird die Metro gerade großflächig ausgebaut, um mehr Menschen von der Straße auf die Bahnschienen zu bringen. Allerdings fährt die Metro hier Großteils überirdisch, so dass riesige Brücken mitten in der Stadt errichtet werden. Trotz der Verkehrsdichte und dem für Europäer sehr abenteuerlichen Fahrverhalten passieren erstaunlich wenige Unfälle, so dass man sich, wenn man sich ein wenig an die Fahrweise gewöhnt hat, dennoch sehr sicher fühlt. Beeindruckend sind auch die sehr großen Straßen in Delhi. 15 (!) Spuren pro Fahrtrichtung führen auf einer Ausfallstraße in Richtung Süden stadtaus- und stadteinwärts. Morgens und abends reichen selbst diese nicht aus und man sieht ein einziges Lichtermeer am Abend, wenn sich die Kolonne langsam hupend vorwärts bewegt. Als Fahranfänger lernt man eine goldene Regel: Nur man selbst kann wirklich Autofahren, alle anderen können nichts. Damit der Verkehr funktioniert und man heil durchkommt, gibt es eine weitere Regel: Wenn alle die Verkehrsregeln brechen, dann läuft es.

Und zu guter Letzt, darf man das Hupen zwischendurch nicht vergessen, um auf sich aufmerksam zu machen🙂.

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„Hello?“

Einer unserer indischen Freunde ohne Smartphone? Das ist für uns kaum vorstellbar. Ständig und überall wird telefoniert oder via WhatsApp kommuniziert. Aufgrund der Indian Strechting Time (von pünktlich bis zu einer Stunde später ist alles jederzeit möglich) und der vielen zeitlichen Verschiebungen durch das Warten (meist hängt es am Verkehr), muss entsprechend viel kommuniziert werden. So klingelt immer bei irgendjemand das Smartphone um dann auch nur für 10 Sekunden zu telefonieren. Dabei ist es fast egal, wann das Smartphone klingelt, bzw. wo man sich gerade befindet: Beim Essen, im Gespräch, auf dem Motorrad als Beifahrer, im Musical, bei lauter Musik im Bus oder in der Kirche. Selbst während eines Gottesdienstes ist es auch ganz normal, dass man kurz aufsteht und zum Telefonieren nach draußen geht. Dabei ist Telefonieren gar nicht so günstig und auch nur die mittleren und höheren Bevölkerungsschichten können sich ein Smartphone leisten – niedrigere Schichten wissen oftmals nicht, wie man damit umgeht. Einzige Ausnahme bilden wohl Besuche in Tempeln und beim Autofahren. Da ist Telefonieren auch verboten und im Gegensatz zu Deutschland halten sich an diese Regel erstaunlich mehr Inder als man denken würde.

Bis bald aus Neu-Delhi,

Peter und Birgit

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Two days out off Delhi

Am Montagmorgen ging es bereits um 7.30 Uhr los Richtung Agra. Das erste und zugleich letzte Mal, dass wir Delhi während unserer Zeit hier verlassen haben. Für die 200 km nach Agra zum Taj Mahal waren wir für indische Verhältnisse schnell unterwegs. 4,5 Stunden brauchten wir nach Agra mit unserem Bus. Allerdings waren wir auch nur so schnell, weil wir den mautpflichtigen Yamuna Expressway genutzt haben – Indiens einzige „Autobahn“. Hier dürfen Busse immerhin 60km/h (sonst sind es nur 40 km /h) fahren, aber viel schneller will man auch kaum fahren. Zwar sind keine Löcher in der Straße und es gibt auch auf der Fahrbahn keinen Gegenverkehr, jedoch lasen der Asphalt und die Federung des Busses kaum eine höhere Geschwindigkeit zu. Auf diese 6-spurige Autobahn sind die Inder sehr stolz. Sie führt mitten durch landwirtschaftliche genutzte Flächen, vorbei an ländlichen Siedlungen direkt nach Agra (weitere Abschnitte befinden sich noch im Bau). Die Strecke ist jedoch wenig befahren, so dass man sich wohl mit den vierspurigen Auf- und Abfahrten mitten im Nirgendwo schon auf die Zukunft vorbereitet hat. Anstelle von Leitplanken ist die Autobahn mit Stacheldrahtzäunen umgeben, die jedoch keinen Inder davon abhalten, darüber zu klettern, um verbotenerweise die Straße zu überqueren oder per Anhalter zu fahren.

In Agra haben wir dann mehr vom indischen Straßenleben gesehen als es in Delhi der Fall ist. Die Straßen werden von unzähligen kleinen Lädchen gesäumt und das gesamte Leben spielt sich auf der Straße ab: Leiterbau, Umfüllen von Steinen und Zement in Säcke, Reparaturen jeglicher Art… Wohnhäuser reihen sich an aneinander und direkt davor oder neben dran finden sich oftmals wilde Müllkippen und Zeltstädte der untersten Bevölkerungsschichten. Hunde, Kühe und Affen leben mit auf den Straßen und trotz des sehr hohen Verkehrsaufkommens in Agra nehmen alle aufeinander Rücksicht.

Aufgrund der hohen Luftverschmutzung und den daraus resultierenden Verfärbungen des weißen Marmors des Taj Mahals dürfen ab ca. 1 km Umkreis nur noch Elektrofahrzeuge, Pferde- oder Kamelwagen fahren. Ob diese Maßnahme langfristig ausreichen wird, um eine Verfärbung zu verhindern, bleibt jedoch abzuwarten. Nach über 5 Stunden war es dann endlich so weit… Durch einen Vorbau kommend konnten wir einen ersten Blick auf das Taj erhaschen, bevor wir es bei Bilderbuchwetter in voller Größe bewundern durften. 17 Jahre lang arbeiteten über 20.000 Handwerker im 17. Jahrhundert an diesem imposanten Grabmal indo-islamischer Baukunst. So beeindruckend das Bauwerk von außen ist, im Inneren, rund um die beiden Gräber, ist es verhältnismäßig schlicht gehalten. Das schmälert jedoch nicht, die Würde und den Glanz, den das Gebäude ausstrahlt.

Zurück auf dem Weg Richtung Delhi kamen wir bereits nach Sonnenuntergang in Greater Noida an, wo wir die Nacht in einer Sport- und Bildungsstätte des YMCA verbrachten, um am folgenden Tag dort Sport zu machen und uns die Schulschwimmmeisterschaften Neu-Delhis anzusehen. Ich hatte die Ehre die Medaillen überreichen zu dürfen und damit die Schülerinnen und Schülern zu ehren. Viele Inder können nicht oder nicht gut schwimmen und daher war auch die Beteiligung bei den Meisterschaften im Verhältnis zu Größe Delhis überschaubar und die Leistungsbreite ging weit auseinander, da es auch einige sehr gute Schwimmerinnen und Schwimmer gab. Für uns war es eine tolles Erlebnis, eine solche Sportveranstaltung besuchen zu dürfen. In der indischen Mittagshitze spielten wir dann noch Basketball und versuchten uns an Cricket, der indischen Nationalsportart Nr. 1.

Auf dem Weg zurück in unser Hostel machten wir noch einen kurzen Zwischenstopp im Waisenhaus von Father Agnel, um dort viele Geschenke für die Waisenkinder dort zu übergeben. Eine direkte Übergabe an die Kinder war leider jedoch nicht möglich, da die Vielzahl an Spielsachen und Kleidung, die wir alle aus Deutschland mitgebracht haben, erst einmal von den dortigen Mitarbeitern sortiert und dann gerecht verteilt werden sollte.

Am Abend erwartete uns dann ein Dinner mit dem Vorstand des YMCA Neu-Delhi und deren Familien, bei dem wir uns mit einem selbst gedrehten Video über Mainz von Mina und Kathi, dem Lied „Auf uns“ und einen Tanz auf „Atemlos“ präsentierten. Nach dem formellen Teil ging es dann schnell über zum Come together. An den Tischen unterhielt man sich rege und wechselt auch, wie hier so üblich, öfter mal während des Abends den Sitzplatz, um mit vielen Menschen in Kontakt zu treten. Nach dem für unsere Verhältnisse späten Abendessen (Start ca. 21.30 Uhr) ist es in Indien üblich, direkt aufzubrechen. Kaum hatte mein Gegenüber seinen Löffel vom Dessert auf den Tisch gelegt, verabschiedete er sich schon und wünschte uns noch eine tolle Zeit. Auch wenn dies für uns recht befremdlich wirkt, ist dies hier ganz normal.

Bis bald

Namaste!

Birgit

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The WIFI did not work…

Aufgrund von WLAN-Problemen konnten wir die letzte Woche leider keine weiteren Blogbeiträge mehr hochladen. Dies holen wir jetzt aber noch nach🙂.

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Mit dem Touribus durch Delhi

Unser 7. Tag in Delhi startete für die Gruppe mit Nutella Toasts für alle, was etwas besonderes war, da es sonst nur Marmelade oder Cornflakes zum Frühstück gibt.
Gut gestärkt fuhren wir gegen 9 Uhr mit einem extra für uns angemieteten Touribus inklusive Guide und den indischen Top 100 Charts Richtung ‘Rotes Ford‘. Nach einer kurzen Führung durch die muslimische Sandstein-, sowie Marmor- Architekturfuhren wir an Gandhis Grabmal vorbei und erreichten schließlich das Nheru Museum und Memorial, welchem ein Planetarium angeschlossen ist. Dort sahen wir uns in einem Kino-ähnlichen Saal eine Dokumentation über das Weltall an; auch wenn wir auf Grund der zu niedrig eingestellten Klimaanlage gefroren haben, war es dennoch eine schöne Erfahrung. Danach fuhren wir auf dem Weg zum National Museum an der Residenz des Präsidenten vorbei, die auf einer Linie mit dem India Gate gelegen ist. Nach einem recht kurzen Aufenthalt im Museum, in welchem Fundstücke von der Antike bis zu verschiedenen Lifestyles der heutigen Zeit ausgestellt werden, ging es dann zum lang ersehnten Mittagessen.
Der zweite Teil des Sightseeing -Programms bestand aus der Besichtigung des bekanntesten Minarett Delhis, sowie des Lotustempels, in dem sich eine Meditationshalle befindet, und dem India Gate. Das gesamte Programm erstreckte sich über insgesamt 8 Stunden, was größtenteils an dem Verkehr der Hauptstadt, welcher sehr dicht, chaotisch und aufregend ist, lag. Dies war allerdings kein Problem für uns, da unsere indischen Freunde jede Busfahrt zu einer Party machen und immer gute Laune mitbringen.

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Nach all dem Trubel genießen wir den ersten freien Abend gemeinsam und freuen uns darauf mal früh schlafen gehen zu können.
Eure Sandra und Iscia

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Swaminarayan Akshardham

Genau da waren wir heute – sicher habt ihr schon einmal davon gehört😉.

11.000 Steinmetze und Freiwillige erschufen innerhalb von fünf Jahren (Fertigstellung 2005) den Tempel Swaminarayan Akshardham zu Ehren von Bhagwan Swaminarayan (1781-1830), der eine Strömung des Hinduismus begründete. Der Tempel besteht außen aus rotem Sandstein (siehe Fotos) Wie bei indischen Tempeln üblich mussten wir auch hier unsere Schuhe vorher ausziehen und danach ging es über weißen Marmor die Stufen hoch zum Tempel. Dort erwartete uns ein unbeschreiblicher Anblick. Unzählige in weißem Marmor modellierte Figuren säumten den Eingang und innendrin erwartete uns ein ähnlich beeindruckender Anblick – kunstvoll geschaffene Ornamente und Figuren aus weißem Marmor und verziert mit Gold. Etwas Vergleichbares hatten wir zuvor noch nie gesehen. Gerne hätten wir euch dies auch gezeigt – nur leider durften wir keinerlei Fotos darin machen😦. Die Sicherheitsvorkehrungen sind entsprechend hoch – keine Gepäck und eine sehr ausführliche Auto- und Personenkontrolle. Nach der Tempelbesichtigung erhielten wir mit einem Film-, Licht- und Tonshow mit Animationsfiguren Einblicke in das Leben von Bhagwan Swaminarayan.

Den restlichen Tag werden wir nun mit unseren Gastfamilien verbringen und weiter Neu-Delhi erkunden🙂.

Bis bald

Peter

PS: Eine Sache vermisse ich: Kaffee – in unserem Hostel gibt es nur ein Getränk (genannt Coffee) mit viel Milch, viel Zucker und wenig Kaffeegeschmack… (könnte auch der kleine Bruder vom indischen Tee sein…).

Kaffee oder Tee

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